Gemeinsam einen Weg für schwere Zeiten entwickeln
Gemeinsam mit einer Studentin der TH Köln haben wir einen Begleitkoffer für den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer entwickelt
„Das ist ein schöner kleiner Koffer geworden“, freut sich Guido Rothkopf, unser pädagogischer Vorstand. „Die monatelange Vorbereitung und die Liebe zum Design und zu den Details sieht man der Arbeit an.“
Hinter dem Koffer steckt ein intensiver gemeinsamer Entwicklungsprozess: Im Rahmen ihrer Masterarbeit „Compassionate Care: Shaping Communities through Service Design in the Age of AI“ arbeitete die Service Designerin Ebrar Bulut von Mai bis August 2026 eng mit uns zusammen. Gemeinsam mit unseren Fachkräften aus dem Bereich Wohnen beschäftigte sie sich mit emotionalen und praktischen Fragen rund um Krankheit, Sterben, Abschied und Trauer.
Wenn aus Zusammenleben Gemeinschaft wird
Iris Speuser verantwortet bei uns die Gesundheitliche Versorgungsplanung (GVP) Palliativ und kennt die Fragen, die in schweren Zeiten beantwortet werden müssen: Wie können wir Menschen in einer emotional herausfordernden Situation gut begleiten? Was gibt Orientierung? Und wie können Trauer, persönliche Bedürfnisse und Erinnerungen Raum finden?
„In unseren Wohnstätten leben Menschen oft viele Jahre miteinander. Sie teilen ihren Alltag, unterstützen sich gegenseitig und bauen enge Beziehungen auf. Diese Verbundenheit zeigt sich besonders, wenn ein Mensch am Ende seines Lebens steht oder verstirbt – eine schwere Zeit für Bewohner und Angestellte gleichermaßen. Es ist uns sehr wichtig, dass wir mit diesen Fragen professionell umgehen“, erläutert Iris Speuser.
Gemeinsam aus der Praxis entwickelt
Zusammen mit Ebrar Bulut brachten unsere Fachkräfte ihre Erfahrungen aus dem Alltag in die Entwicklung ein. In Gesprächen und Workshops betrachteten wir bestehende Rituale, Herausforderungen und Bedürfnisse rund um Sterben, Abschied und Trauer. Erste Materialien wurden gemeinsam getestet, besprochen und Schritt für Schritt angepasst.
Auch Steven Cuthbert und Aileen Esklavon, stellvertretende Wohnstättenleitungen, begleiteten das Projekt und bringen unser Selbstverständnis auf den Punkt: „Wir betreiben kein Pflegeheim. Wir bieten Menschen mit Behinderung ein Zuhause und einen Ort des Lebens und der Begleitung durch alle Phasen des Lebens. Trauern gehört sicherlich auch zum Alltag, aber wir wollen offen und individuell damit umgehen.“
Unser Ziel war es deshalb nicht, mit dem Begleitkoffer fertige Lösungen vorzugeben. Vielmehr wollten wir ein Werkzeug schaffen, das Orientierung bietet und gleichzeitig Raum für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen lässt.
„Wenn Menschen viele Jahre bei uns leben, entstehen enge Beziehungen. Deshalb betrifft ein Abschied immer die Gemeinschaft. Uns war wichtig, etwas zu entwickeln, das Orientierung gibt und gleichzeitig Raum für individuelle Bedürfnisse und Trauer lässt“, erklärt Elke Pelzer aus unserer Wohnstätte Birgden.
Auch für Ebrar Bulut war der enge Austausch entscheidend: „Der Begleitkoffer ist nicht am Schreibtisch entstanden. Er ist das Ergebnis vieler Gespräche, Workshops und Rückmeldungen. Die Offenheit der Teams hat es ermöglicht, die Materialien so weiterzuentwickeln, dass sie im Alltag wirklich unterstützen.“
Was steckt in unserem Begleitkoffer?
Der Begleitkoffer enthält verschiedene Materialien, die unsere Angestellten allein oder gemeinsam mit Bewohner:innen einsetzen können. Ein Leitfaden gibt Orientierung für die verschiedenen Phasen der Begleitung. Der „Wegbegleiter“ bündelt wichtige Kontakte und Informationen und erinnert daran, auch auf sich selbst zu achten.
Eine Erinnerungskarte unterstützt uns beim gemeinsamen Erinnern und Gestalten von Trauerritualen. Der Befindlichkeits-Check-in schafft Raum für den Austausch innerhalb unserer Teams. Bedürfniskarten in Leichter Sprache helfen Bewohner:innen dabei, ihre Gefühle und Wünsche auszudrücken.
„Der Koffer gibt uns einen Rahmen, ohne vorzuschreiben, wie Trauer oder Abschied aussehen müssen. Die Materialien helfen uns, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam einen passenden Weg zu finden“, erklärt Elke Pelzer.
Vom Masterprojekt in unsere Wohnstätten
Ende Juli wurde das Projekt bei der Masterarbeitsausstellung der TH Köln präsentiert. Eine besondere Anerkennung: Die Arbeit wurde für den Kölner Design Preis 2026 nominiert.
Doch mit dem Abschluss der Masterarbeit endet das Projekt für uns nicht. Inzwischen haben wir den Begleitkoffer in einer Kleinserie produziert und an alle unsere Wohneinrichtungen ausgegeben.
„Wir möchten die Erfahrungen aus Wassenberg weitertragen. Der Begleitkoffer kann auch anderen Teams und Einrichtungen Sicherheit geben und einen würdevollen Umgang mit Abschied, Sterben und Trauer unterstützen“, fasst Guido Rothkopf zusammen.
So ist aus der engen Zusammenarbeit mit Ebrar Bulut ein Werkzeug entstanden, das Service Design mit unseren Erfahrungen aus der täglichen Praxis verbindet und uns dabei unterstützt, Bewohner:innen auch in einer besonders schwierigen Phase ihres Lebens individuell und würdevoll zu begleiten.
Weitere Informationen zum Begleitkoffer und den Materialien stellen wir demnächst hier auf unserer Webseite zur Verfügung.
© Nur Ebrar Bulut













