„Gesangsunterricht mit Schwester Bernadetta“ in den Lebenshilfe-Werkstätten

Die rund 250 Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstätten im Werkstatt-Speisesaal Oberbruch schauten zunächst etwas irritiert und wähnten sich schon in der falschen Veranstaltung, als Tamara Peters als „Schwester Bernadetta“ in züchtiger Nonnentracht die Bühne betrat und „Lobe den Herren “ anstimmte. Diese Irritation sollte jedoch schnell purer Begeisterung weichen. Gemeinsam mit dem Pianisten Yuhao Guo als „Bruder Yuhao“ wirbelte die Sängerin beim ersten Gastspiel der Opernwerkstatt am Rhein in Heinsberg durch die Musikgeschichte. Regisseur und Intendant Sascha von Donat, dessen Schwester in den Lebenshilfe-Werkstätten arbeitet und seit vielen Jahren in der Wohnstätte Kirchhoven wohnt, hatte für die Show, mit der er deutschlandweit auf Tournee geht, diverse Gassenhauer zusammen getragen: Ob „Ein bisschen Frieden“, „Männer sind Schweine“ oder „Wer hat die Kokosnuss geklaut“ - „Schwester Bernadetta“ schaffte es mühelos, die Zuschauer zum Mitsingen zu animieren. Und als sie schließlich „Atemlos“ anstimmte, tobten die Zuschauer und das Stück musste als Zugabe wiederholt werden. Finanziert wurde die Kulturveranstaltung mit Unterstützung der Lebenshilfe Stiftung und der Kreissparkasse Heinsberg. Die Opernwerkstatt am Rhein hat bereits zahlreiche Produktionen unter anderem auch von und mit Menschen mit Behinderung inszeniert und arbeitet unter anderem mit dem Kölner Atelier KAT18 zusammen. Auf ihrer Homepage informiert die Opernwerkstatt über das aktuelle Programm: www.opernwerkstatt-am-rhein.de

 

Am Sonntag, 3. Dezember, ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. An diesem Tag wird im Erkelenzer Bistro Inclusio der Lebenshilfe Heinsberg die Mutter aller Liebesgeschichten aufgeführt: Romeo und Julia. Präsentiert wird die Geschichte als Hör-Theater in leichter Sprache. Die Lesung „Ganz einfacht: Romeo & Julia“ orientiert sich an der Textversion von Marianne Höhle, die im Verlag „Spaß am Lesen“ erschienen ist. Der Originaltext ist auf Niederländisch erschienen und wurde von Bettina Stoll ins Deutsche übersetzt. Leichte Sprache orientiert sich an einem Sprachniveau, dem auch Grundschüler, Immigranten oder Menschen mit Behinderung folgen können. Die Lebenshilfe Heinsberg ist seit einigen Jahren im Bereich der Leichten Sprache aktiv und bietet Kurse im Rahmen von „Lesen einmal anders“ (LEA)an. Leichte Sprache orientiert sich an bestimmten sprachlichen Regeln und bemüht sich, Sachzusammenhänge in inhaltlich ungekürzter Form leicht verständlich wiederzugeben. In Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Heinsberg führt der Schriftsteller Helmut Wichlatz seit einigen Jahren Lesezirkel für Menschen mit und ohne Behinderung durch, in denen gemeinsam Geschichten gelesen werden. Diese finden wöchentlich und im Wechsel im Bistro inclusio in Erkelenz und im Museumscafé Samocca in Heinsberg statt. Regelmäßig treffen sich die Teilnehmer und lesen einen Roman. Auf dem Programm standen schon „Tschick“, „Ziemlich beste Freunde“, „Die fetten Jahre sind vorbei“, „Be my Baby“, Geschichten von Sherlock Holmes, Krimis und der Klassiker „Drei Männer im Schnee“. Hier entstand die Idee des inklusiven Hör-Theaters. „Die Idee eines Hör-Theaters an sich ist nicht neu“, so Helmut Wichlatz, „bekannt sind die inszenierten Lesungen etwa der Hörbuch-Krimis der ´Drei Fragezeichen´. Dabei wird eben nicht nur vorgelesen, sondern die Rolle auch ein Stück weit gelebt und akustisch inszeniert. Daneben wenden wir die Prinzipien der Inklusion und gesellschaftlichen Teilhabe auf kulturellem Gebiet an. So wendet sich unsere Lesung gleichermaßen an Menschen mit und ohne Behinderung.“ Unterstützt wird Helmut Wichlatz vom Erkelenzer Krimiautor Kurt Lehmkuhl, von der Jugendbuchautorin Andrea Rings aus Mönchengladbach, dem Hörbuchsprecher und Journalist René Wagner sowie den beiden Lebenshilfe-Mitarbeiterinnen Carolin Gerhard und Ulrike Horn. Die Lesung am Sonntag, 3. Dezember, beginnt um 15 Uhr im Bistro Inclusio (Südpromenade 3). Im Eintrittspreis von acht Euro sind Kaffee und Kuchen enthalten. Der Vorverkauf hat begonnen: Karten gibt es in den Erkelenzer Buchhandlungen Wild und Viehausen. Anmelden kann man sich auch im Inclusio unter der Telefonnummer 02431 – 80 55 955.

Zum vierten Mal verlieh der Verbund "Starke Partner - Pflegenetz im Kreis Heinsberg" das Goldene Pflegeherz, eine runde Nadel in Silber mit Goldauflage mit dem abstrahierten Motive zweier Menschen in Form eines Herzens. Die Nadel ist ein Zeichen der Anerkennung und Würdigung an Menschen, die sich um die Pflege verdient gemacht haben. Die feierliche Verleihung fand in der Christuskirche in Heinsberg statt. Nach einem ökomenischen Gottesdienst mit Probst Markus Bruns und Pfarrer Martin Jordan wurden die Goldenen Pflegeherzen verliehen. Diesjähriger Ehrengast war Schauspieler und Komiker Tom Gerhardt. Zu den Geehrten gehörte auch der ehemalige, langjährige Geschäftsführer der Lebenshilfe Heinsberg, Jürgen Rosenthal. In seiner Laudatio erinnerte Daniel Beckers, Prokurist bei Lambertus Hückelhoven, an die großen Verdienste des Mitbegründers der Lebenshilfe Heinsberg: “Jürgen Rosenthal hat sich sein ganzes Leben lang für Pflegebedürftige, Benachteiligte und behinderte Menschen eingesetzt. Gemeinsam mit seiner Frau hat er dafür gekämpft, die Lebensbedingungen dieser Menschen zu verbessern. Sie haben dadurch, gemeinsam mit ihren Mitstreitern, die Gesellschaft im Kreis Heinsberg tiefgreifend verändert.“