Mit dem Bundesteilhabegesetz und Pflegestärkungsgesetz III drohen massive Verschlechterungen für Menschen mit geistiger Behinderung – Petition startet heute

 

Berlin. „Bundesteilhabegesetz und Pflegestärkungsgesetz III können so nicht bleiben.“ Das teilt Ulla Schmidt mit, die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. „Das Reformpaket“, so Ulla Schmidt weiter, „enthält zwar einige Fortschritte, die auf langjährigen Forderungen der Lebenshilfe beruhen, aber die drohenden Verschlechterungen für Menschen mit geistiger Behinderung sind inakzeptabel. Besonders die Ausweitung des Ausschlusses von Leistungen der Pflegeversicherung ist eine Diskriminierung von Menschen, die als Versicherte Beiträge zahlen!“

Die Lebenshilfe mit ihren über 500 örtlichen Vereinigungen und 130.000 Mitgliedern startet daher heute eine bundesweite Protest- und Aufklärungskampagne und ruft dazu auf, eine Petition zu den Gesetzentwürfen zu unterzeichnen. Das Motto lautet #TeilhabeStattAusgrenzung; Ziel ist es, die Forderungen der Lebenshilfe für gute Teilhabe und Pflege den Abgeordneten und der breiten Öffentlichkeit deutlich zu machen. Ulla Schmidt: „Wir wissen, dass diese sozialpolitischen Großvorhaben für viele Außenstehende sehr kompliziert sind. Wir werden es jedoch nicht zulassen, dass am Ende die Schwächsten, die Menschen mit geistiger Behinderung, als Verlierer dastehen. Wir müssen allen klarmachen, was die Folgen dieser Gesetze sind. Und wir werden für ein Bundesteilhabegesetz kämpfen, das diesen Namen auch verdient!“

Das Bundesteilhabegesetz regelt die Eingliederungshilfe neu. Von den derzeit rund 860.000 Beziehern der Eingliederungshilfe hat die Mehrheit – über eine halbe Million – eine geistige Behinderung. Bleibt die Reform so, wie sie ist, hat das laut der Lebenshilfe schwerwiegende Auswirkungen: Manche Menschen mit geistiger Behinderung müssen fürchten, ganz aus dem Hilfesystem herauszufallen. Anderen droht, dass sie gegen ihren Willen mit anderen zusammen wohnen müssen oder in Pflegeeinrichtungen abgeschoben werden. Wieder andere müssen bangen, ihr Zuhause zu verlieren, weil ihre Wohnstätte nicht mehr ausreichend finanziert wird und schließen muss.

 

Die Lebenshilfe fordert daher, dass …

  1. …  Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf künftig nicht von den Leistungen der Pflegeversicherung ausgeschlossen werden. Umgekehrt darf ihnen auch nicht die Eingliederungshilfe verwehrt werden, weil sie neben ihrer geistigen Behinderung  einen Pflegebedarf haben. Sie brauchen für Teilhabe beide Formen der Unterstützung. Der Verschiebebahnhof zwischen Eingliederungshilfe und Pflege muss aufhören!
  2. … der Zugang zu den Leistungen der Eingliederungshilfe nicht so begrenzt wird, dass Menschen, die in weniger als fünf Lebensbereichen Einschränkungen aufweisen, von den Leistungen ausgeschlossen werden. Eine solche Hürde ist zu hoch!
  3. … Menschen mit Behinderung nicht gezwungen werden können, gemeinsam mit anderen Leistungen in Anspruch zu nehmen. Das ist das Gegenteil von Selbstbestimmung und führt zu Ausgrenzung statt Teilhabe!
  4. … die Kosten der Unterkunft für das Wohnen in Wohnstätten nicht willkürlich begrenzt werden. Wenn das Wirklichkeit wird, droht vielen Wohnstätten für Menschen mit geistiger Behinderung das finanzielle Aus, und die dort lebenden Menschen verlieren ihr Zuhause!
  5. … auch Menschen mit einer geistigen Behinderung nicht von den verbesserten Regelungen zur Heranziehung ihres Vermögens ausgeschlossen werden. Sie haben ein Recht auf ein Sparbuch!

 

Hier gibt es die Petition der Lebenshilfe #TeilhabeStattAusgrenzung

 

Mit Unterstützung der Stiftung Wohlfahrtspflege und der Aktion Mensch hat die Lebenshilfe Heinsberg in Heinsberg-Oberbruch ein Lebenshilfe Center errichtet, um eine Anlaufstelle für die ambulanten Dienste und offenen Hilfen zu schaffen, die der Verein in den vergangenen Jahren aufgebaut hat:

 

 Die Lebenshilfe Heinsberg bedankt sich herzlich für die Förderung des Lebenshilfe Centers durch die

                

In der neuen Lebenshilfe Küche ist der Betrieb bereits Ende 2015 angelaufen. Die Verwaltung des Vereins mit der Geschäftsführung, Personalwesen, Rechnungswesen sowie der EDV finden Sie nun im Obergeschoß an der Richard-Wagner-Straße 5.

 

 

Sandra Pelzer und Stefan Cordier sind Mitarbeiter mit Behinderung der Lebenshilfe-Werkstatt in Heinsberg. Zurzeit sind sie als Märchenerzähler in einer Kindertagesstätte engagiert. Sie erzählen Geschichten und entführen die Kinder in eine andere Welt.



„Stellt euch vor, wir sind Dschungelforscher und auf der Suche nach einer seltenen Schlange. Langsam gehen wir durch den Dschungel, die Lianen streifen unser Gesicht.“ Stefan Cordier liest die „Dschungelgeschichte“ vor. Er ist umgeben von acht Kindern, die gespannt zuhören. Seine Kollegin Sandra Peltzer sitzt ihm gegenüber. Aus einem Holzkoffer holt sie nach und nach Requisiten hervor und reicht sie weiter: Ein Dschungelforscher-Stirnband, eine Liane, einen Plüschaffen. Als sich die täuschend echt aussehende Klapperschlange langsam aus dem Koffer schlängelt, ist die Spannung im Raum greifbar.
„Wir wollen Geschichten für Menschen mit Behinderung mit allen Sinnen erlebbar machen“, erläutert Barbara Fornefeld, Professorin am Lehrstuhl für Geistigbehindertenpädagogik der Uni Köln. Gemeinsam mit ihren Studenten hat sie den „mehr ¬ Sinn® Geschichtenkoffer“ entwickelt. „Menschen mit schwerer Behinderung sollen nicht ausgeschlossen werden, wenn es um Kultur geht. Deshalb haben wir bekannte Märchen ebenso wie eigene Geschichten auf ihre Kernaussagen komprimiert und in Kooperation mit der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Heinsberg einen Geschichtenkoffer entwickelt, der die nötigen Requisiten zu den Geschichten enthält.“


Der Holzkoffer und einige Requisiten wurden in der Lebenshilfe-Werkstatt hergestellt. Weitere Requisiten wurden in kooperierenden Werkstätten für behinderte Menschen entwickelt. So kommt zum Beispiel eine Choroi-Flöte aus einer Behindertenwerkstatt in Telleby in Schweden, das orientalische Tuch wird in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Indien produziert. Mehr als 150 Koffer sind bereits deutschlandweit an Einrichtungen der Behindertenhilfe verkauft worden, zudem hat das Therapiemittelversandhaus Wehrfritz den Koffer in seinem Programm aufgenommen. „Wir fördern die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Das Interesse an den Geschichten und dem Koffer bestätigen uns in unserer Arbeit“, freut sich Barbara Fornefeld.


Dass Menschen mit Behinderung die Geschichten erzählen und Kinder ohne Behinderung interessierte Zuhörer sein können, davon war Erzieherin Heike Jahn-Kunze von der Lebenshilfe Heinsberg überzeugt. Sie begleitet Sandra Pelzer und Stefan Cordier und hat ihnen die mehr¬Sinn® Geschichten näher gebracht. „Die Requisiten erleichtern nicht nur das Zuhören, sondern auch das Erzählen. Da die beiden das so gut machen, habe ich die Idee spontan einer Kindertagesstätte vorgestellt.“ Als Professorin Barbara Fornefeld davon hörte, hat sie sich von Köln auf den Weg gemacht hat. „Ich bin begeistert, wie sich unsere Ursprungs-Idee weiterentwickelt hat. Vielleicht können wir an der Universität sogar eine Ausbildung zum Geschichtenerzähler für Menschen mit Behinderung entwickeln.“ Sandra Pelzer und Stefan Cordier würden sich gleich bewerben. „Mit Kindern zu arbeiten, das wäre mein Traum!“ sagt Sandra Pelzer.

Infos:
-    Der mehr¬Sinn® Geschichtenkoffer ist an der Universität zu Köln entwickelt worden, er beinhaltet sechs Geschichten in einfacher Sprache mit Handlungsanweisungen für den Erzähler sowie zahlreiche Requisiten.
-    Der Koffer wird in der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Heinsberg produziert, kostet 299 Euro und ist telefonisch bestellbar: 02452-969415
-    Das Erzählprojekt für Kindertagesstätten möchten Sandra Pelzer und Stefan Cordier gerne auch anderen Kindertagesstätten anbieten. Informationen gibt Heike Jahn-Kunze, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
-    Mehr Informationen zum mehr¬Sinn® Geschichten-Projekt: www.kubus-ev.de

 

...und die Wohnstätte Kirchhoven macht mit...: Im Rahmen des Stadtfestes am 04. und 05. Juni 2016 hat Susanne Kandulski mit ihrem Geschäft „Kalana - Wolle und mehr“ die Aktion "Heinsberg strickt für die Lebenshilfe" ins Leben gerufen. Ziel war es, einen möglichst langen Schal zu stricken, der dann um Bäume am Kindergarten der Lebenshilfe in Oberbruch angebracht werden soll. Zahlreiche Strickbegeiste folgten dem Aufruf. Gestrickt werden konnte entweder in sehr gemütlicher Atmosphäre im Geschäft oder an einem eigens eingerichteten Stand in der Innenstadt.


Auch die Wohnstätte Kirchhoven hat es sich mit ihren Bewohnerinnen Rosi Icks und Annemarie Küppers mit ihrer Betreuerin Astrid Cüppers nicht nehmen lassen, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Bei Kaffee und Plätzchen wurden mit Strickarbeiten mehrere Stunden im Geschäft in geselliger Runde verbracht. Natürlich durfte auch ein Besuch am Stand in der Innenstadt nicht fehlen, um sich vor Ort von den Strickfortschritten zu überzeugen. Am Ende der Aktion konnte die Wohnstätte mit Stolz ca. 2 m Schal übergeben, der sich perfekt in die anderen gestrickten Teile einbinden ließ, um so den erhofften "Mammutschal" zu erhalten. Der Schal wird in der kommenden Woche gemeinsam mit den Kindern an einem Baum in der Kindertagesstätte Triangel Heinsberg angebracht!

Nervös waren die Musiker der Lebenshilfe-Band Workshop...aber auch stolz, im Vorprogramm des Rock-Legends-Konzerts zu Gunsten der Aktion Kinderlachen in der ausverkauften Hückelhovener Aula auftreten zu dürfen. Natürlich startete Workshop mit ihren Hits "Vollgas" und "Auf gehts", die die Band im Studio von Ralf Rudnik aufgenommen hat. "Es war eine Bereicherung für unser Programm, mit wieviel Leidenschaft diese Musiker die Musik leben. Wirklich toll. Wir zollen Ihnen hierfür viel Respekt. Unser Publikum war auch sehr angetan von diesem Auftritt" bedankte sich Veranstalter Norbert Zehnpfund. Nach Workshop nahm Ralf Rudnik mit seiner Band V.I.P. die Zuhörer mit auf eine musikale Reise durch die vergangenen Rock-Jahrzehnte. Star des Abends war Chris Thompson, der einige seiner alten Hits präsentierte und sich gerne Zeit nahm für dieses Erinnerungsfoto mit Workshop und V.I.P.