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Pünktlich zum inklusiven Stadtfest in Heinsberg vom 09.-11.09.2016 ist die mobile, barrierefreie „Toilette für alle“ fertiggestellt: Heiner Lowis (re.) von Lowis Fahrzeugbau aus Heinsberg-Grebben hat gemeinsam mit Denise Finlay (li. vorne) und Ralf Windeln (3.v.li.) von der Lebenshilfe Heinsberg das Spendenprojekt der Lebenshilfe zum 50. Vereinsjubiläum geplant und realisiert. „Zahlreiche Spender haben unser lang ersehntes Wunschprojekt für mehr Inklusion im Kreis Heinsberg unterstützt“, bedankte sich Lebenshilfe-Vorsitzender Klaus Meier (li. hinten), vor allem bei der Aktion Mensch und Willi von den Driesch (2.v.re.), der eine große Summe zum Projekt beisteuerte sowie Michael Künzel (3.v.re.) von der Firma Villeroy&Boch,  der durch die Zeitung auf das Spendenprojekt aufmerksam wurde und einen barrierefreien Waschtisch und WC gespendet hat. „Ein großer Dank gilt auch Reiner Rulands (zum Fototermin verhindert), dessen Erkelenzer Firma die elektro- und Sanitärinstallation kostenlos übernommen hat. „Die mobile und barrierefreie Toilette mit einem Gesamtwert von rund 25.000 Euro soll für jedermann nutzbar sein, damit alle Menschen ob mit oder ohne Behinderung an Festen und Feiern im Kreis Heinsberg teilnehmen können!“ freut sich Denise Finlay über die helle, moderne, funktionale und barrierefreie Einrichtung. Die „Toilette für alle“ ist ausgestattet mit einem Pflege- und Wickeltisch, der sowohl als Wickelmöglichkeit für Babys als auch zur Pflege für erwachsene Menschen mit Behinderung genutzt werden kann. Das WC bietet große Bewegungsfreiheit und ist mit Halte- und Stützgriffen sowie einer Notruf-Einrichtung ausgestattet. „WC und Waschtisch entsprechen nicht nur den neusten DIN-Vorschriften sondern wurden bei der Firma Villeroy&Boch gemeinsam mit der Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber entworfen“, erläutert Michael Künzel. Die „Toilette für alle“ kann zukünftig bei der Lebenshilfe angemietet werden für Feste und Feiern im Kreis Heinsberg. Mehr Infos bald auf unserer Homepage.

Seit kurzem hat die Lebenshilfe Heinsberg ein weiteres - und besonderes „leckeres“ - Spezialgebiet auf der Zulieferschiene besetzt. Eine hauseigene Konditorei gehört jetzt zum ständigen Produktionsangebot und ist im Lebenshilfe Center in der Richard-Wagner-Straße angesiedelt. Seit einem knappen Jahr wird hier gebacken, gestaltet und verziert, mit Sahne, Cremes und allerlei Süßem. Und zwar von einem, der das gerne tut. Uwe Breuer heißt der neue Mann fürs Gebäck. Unterstützt wird er derzeit von einer Praktikantin und drei weiteren Mitarbeitern mit Behinderung. Sie versorgen mit ihren Konditoren-Künsten die Lebenshilfe-eigenen Cafés. Dazu werden hier auch einmal in der Woche die Kuchen-Desserts für die Einrichtungen hergestellt. Seit einigen Wochen ist man damit beschäftigt, vorbereitende Arbeiten für das große Kuchenbuffet zum Lebenshilfe-Jubiläum zu organisieren. Denn am Sonntag, dem 11.September, wird es nachmittags ein großes Kaffee-Konzert im Festzelt auf dem Marktplatz in Heinsberg geben. Und das Kuchenbuffet soll der süßeste Höhepunkt dabei sein. Für musikalische Höheflüge sorgen die Musikanten des Kaffee-Konzertes: das Trommler- und Pfeiffer-Corps Haaren, die Bergkapelle Sophia-Jacoba Hückelhoven und das Schülerorchester Waldfeucht. Für Abwechslung ist also gesorgt und für einen gemütlichen Aufenthalt ebenso. Das Programm zum Stadtfest liegt in den Geschäften der Heinsberger Innenstadt aus und steht auch online unter www.lebenshilfe-heinsberg.de. Günter Kleinen

Seit 1998 arbeitet Sascha Weingran für die Lebenshilfe, als Gruppenleiter im Förderbereich. Doch auch darüber hinaus lässt den jungen Mann die Arbeit mit behinderten Menschen nicht los. Wenn Andere Feierabend haben, wechselt er lediglich die Räumlichkeiten, um sich einem anderen Schwerpunkt zuzuwenden. Sascha wollte früher immer Klinik-Clown werden. Seine Idee: Kranken Kindern in ihrer Situation ein Lächeln zu entlocken… Irgendwann machte er seine Ausbildung und hatte dazu noch die Erkenntnis gewonnen, dass ihm sowohl das Arbeiten auf der Bühne, wie auf der Straße Spaß macht. Beim Straßentheater machte er erste Erfahrungen, die er bis heute weiter entwickelt. Durch den Kontakt zum familienunterstützenden Dienst (FUD) der Lebenshilfe Heinsberg, wurde ihm vor kurzem ermöglicht, ein inklusives Clown-Projekt zu initiieren. „Dies bietet natürlich im Vorfeld des ersten Inklusiven Stadtfestes in Heinsberg eine große Möglichkeit der Selbsterfahrung“, sagt Weingran. In der Werkstatt für behinderte Menschen in Oberbruch wird nun allwöchentlich ge- und erprobt. Hier treffen junge Menschen mit und ohne Behinderung aufeinander, um clowneskes Mimentheater zu erlernen und zu trainieren. „Wir beschäftigen uns vorrangig mit körperlichem und emotionalem Pantomimenspiel. Mithilfe von Masken werden hier körperliche Botschaften akzentuiert. Im Maskenspiel wird bewusst auf Sprache verzichtet“, so der Trainer. „Mir geht es um die wertschätzende Interaktion in der Gruppe und, darüber hinaus, später um den mutigen Schritt der Teilnehmer in die Öffentlichkeit. Das können die Stadtfestbesucher am 10. und 11. September in Heinsberg „live“ erleben. Dann wird die Gruppe – drei Frauen und drei Männer – als „Walking Act“ durch die Innenstadt-Straßen wandern. Mit diesem Ziel trainiert die inklusive Gruppe, die zur Hälfte aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht, und hat viel Spaß dabei. Spontane Erkenntnis des Betrachters: In dem Moment, wo die einheitlichen Neutralmasken aufgesetzt werden, sind alle gleich. Und das genau ist die Botschaft: Durch das Aufsetzen einer äußeren Maske kann die innere Maske fallen gelassen werden. Und dann beginnt das eigentliche Spiel.- Das Projekt wird übrigens nach den Stadtfest weitergeführt. Günter Kleinen

Der Termin rückt näher: 9. bis 11. September 2016. Inklusives Stadtfest in Heinsberg. Erste Ereignisse werden schon die Schatten voraus, wie am letzen Montag Guildo Horn, der zu einer Stippvisite und Ankündigung seines Auftritts am 9.September die Lebenshilfe besuchte. Aber nicht nur Gesangs- und TV-Künstlern wird auf dem Stadtfest „eine Bühne“ geboten. Parallel zur Hochstraße soll sich von der Oberstadt bis zur Liecker Straße eine Künstler und Kunsthandwerker-Meile ziehen, die durch gastronomische Abwechslung aufgelockert werden soll. So planen die hier ansässigen Gastronomiebetriebe auch Außenaktionen, um die Besucher zum Verweilen einzuladen. Hauptanziehungspunkt für die Besucher sollen jedoch die Künstler bilden, die hier ihre Werke ausstellen und zum Verkauf anbieten. Der ursprünglich vorgesehene und bereits eingeladene Kreis der Künstler des Kreativ-Marktes der Lebenshilfe soll nun noch einmal „aufgestockt“ werden, in dem sich die Einladung an alle richtet, die sich mit Kunst und Kunsthandwerk beschäftigen. „Wir möchten, dass unser Inklusives Stadtfest wirklich alle berücksichtigt. Daher wenden sich der Gewerbe- und Verkehrsverein und die Heinsberg Card an alle, die sich künstlerisch betätigen und ihre Objekte und Werke einem großen Publikum zugänglich machen möchten“, so der vom G&V für Stadtmarketing Beauftragte Guenter Kleinen. „Die Teilnahmegebühren wurden für diesen Bereich des Stadtfestes, das heißt, für die Teilnehmer der Künstlermeile Apfelstraße, auf ein „Spenden-Niveau“ gesenkt, um zusätzliche Anreize zu schaffen…“ Wer die Heinsberger Stadtfeste kennt, weiß um die enormen Besucherströme, die die Stadt an dem Festwochenende bevölkern. Die kostenlosen Parkplätze in und um die City sind meist schon früh gefüllt, so dass sich ein früher Besuch empfiehlt.

„Inklusion ist seit langem selbstverständlicher Bestandteil unserer Arbeit, schließlich begleiten wir tagein tagaus Menschen mit Behinderung bei ihrer Teilhabe an der Gesellschaft.“ Die Sozialarbeiterin Eva Bachmann ist damit betraut, die Kontakte und Kooperationen zwischen Außenpartnern und der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Heinsberg eV zu gewährleisten. Zum Stadtfest möchten Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstatt einen Tag in Heinsberger Geschäften hospitieren. Auf eine erste Anfrage hin war die Resonanz erfreulich. „Ich war überrascht, wie viele Geschäftsinhaber im Heinsberger Gewerbe- und Verkehrsvereins sich dem Thema öffneten und sich an dem Projekt beteiligen wollten“, sagt Eva Bachmann. „Besonders schön finde ich, den Umgang zu beobachten, die Art und Weise, wie die Angestellten in den Geschäften mit unseren Mitarbeitern umgehen“, sagt die junge Frau, die ihre „Schützlinge“ vor Ort begleitete. Denn vor dem Stadtfest war ein erster Tag des gegenseitigen Kennenlernens anberaumt. Insgesamt 17 Heinsberger Geschäfte ermöglichen 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Lebenshilfe-Werkstatt einen Hospitanten-Tag. Eine davon ist Ellen Wolf, die sich schon in kürzester Zeit im Cafe „bagett“ wohlfühlte. Vom Chef Michael Fritsch „gebrieft“, bediente sie schon nach wenigen Minuten die Gäste mit leckeren Baguettes und heißen Getränken. Fritsch, begeistert: „ Es ist so, als wenn sie schon lange Bestandteil unseres Teams ist.“ Derweil saßen Arndt Jaeger und Patrick Schachtebeck mit ihrer Betreuerin Karin Kampel bei Bäcker Dick in der Hochstraße.

Jürgen Dick, zweiter Vorsitzender des G&V, war die Idee, die an ihn herangetragen wurde, nicht neu. „Schon vor fünf Jahren haben wir ein ähnliches Projekt durchgeführt, damals mit der Wohnstätte der Lebenshilfe in der Geilenkirchener Straße.“ So standen jetzt bei ihm quasi schon die Türen offen: Die beiden jungen Herren werden zum Stadtfest einen Tag im BackCafe in der City hospitieren. „Ob sie schon aufgeregt seien?“, wollten wir wissen. „Nein, aber wir freuen uns!“, sagt Arndt Jaeger spontan. Auch für Patrick Schachtebeck, der sich ansonsten im Betrieb 3 der Lebenshilfewerkstatt mit Montage- und Verpackungsarbeiten beschäftigt, ist es eine willkommene Gelegenheit, seinen „Traumberuf“ hautnah kennenzulernen. „Ich wollte immer schon beim Bäcker arbeiten, habe mich aber nie getraut das zu sagen. Ich bin gespannt, wie das geht, mit dem Brot- und Torten backen.“ Bäckermeister Jürgen Dick freut sich: „Unsere Besucher werden beim Stadtfest erfahren, dass man Inklusion von beiden Seiten leben kann. Ich zum Beispiel, bin von der Lebenshilfe-Band „Workshop“ inkludiert worden, man hat mich als Musiker in der Band aufgenommen, was mich sehr freut.“ Ein weiteres Beispiel zeigt zum Stadtfest die Buchhandlung Gollenstede. Hier hospitiert Christian Thesling. Er lernt am Stadtfest-Sonntag den Alltag einer Buchhandlung kennen. „Ich will das mal aus Neugier ausprobieren,“ sagt der junge Mann, „ich möchte einfach wissen, ob ich das schaffe.“

Dabei hat er ein wenig Angst vor den vielen Menschen, da dies eine neue Erfahrung für ihn sein wird. Aber sein Mut ist größer und so stellt er sich seiner selbst gewählten Aufgabe. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Christian mit Zeichnen und Malen, und widmet sich gerne Porträts und Mangas. Eine stille, konzentrierte Beschäftigung. Jetzt aber möchte er sich einer neuen Erfahrung stellen. „Nach dem Stadtfest möchte ich das Gefühl haben, ich habe es geschafft. Vor allem, mich einmal mit vielen Menschen zu konfrontieren“, sagt der junge Mann, dessen fester Händedruck zum Abschied verrät: „Er meint es ernst.“ Günter Kleinen