Am 2. April ist Welt-Autismus-Tag: Laut aktuellen Studien sei einer von 1000 Menschen in Deutschland ein Autist. Dabei sei Autismus gar nicht so einfach zu umschreiben, erklärt Yvonne Tholen. Sie leitet das Kompetenzzentrum für Autismus-Spektrum-Störungen (KompASS) der Lebenshilfe Heinsberg.  „Durch die rasche Entwicklung in der Diagnostik und Förderung in den vergangenen Jahren sprechen wir heute von einem Autismus-Spektrum.“ Autismus sei keine Krankheit oder kognitive Behinderung, die man durch Blut- oder Intelligenztests feststellen könne.  Die am häufigsten gestellte Diagnose sei neben dem frühkindlichen Autismus das „Asperger-Syndrom“, mit der sich der Wiener Kinderarzt Hans Aperger Mitte des 20. Jahrhunderte erstmals beschäftigte. Dass es heute zu einer steigenden Asperger-Diagnose im Kindesalter komme, werde in der Fachwelt breit diskutiert, so Autismus-Pädagogin Stefanie Heinen-Gransch. Oft treten im Kinder- oder Jugendalter Verhaltensauffälligkeiten in den Vordergrund, die man schnell als Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitäts-Syndrom, kurz ADHS, abstempelt. Eltern und Angehörige fragen sich, ob etwas mit ihrem Kind nicht stimme, obwohl die körperlich-geistige Entwicklung doch ganz normal verlaufe. „Asperger ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Betroffene sehen normal aus, zeigen jedoch sonderbare Verhaltensweisen. Typisch sind Beeinträchtigungen des Interaktionsverhaltens, mangelndes Einfühlungsvermögen, starres Festhalten an Gewohnheiten, motorische Auffälligkeiten sowie ausgeprägte Spezialinteressen.“  Meist sind Kinder zwischen acht und dreizehn Jahre alt, wenn die Diagnose „Asperger“ etwa durch die Sozialpädiatrischen Zentren oder Kinder- und Jugendpsychiatrien festgestellt wird und die Eltern den ersten Kontakt zum KompASS der Lebenshilfe Heinsberg suchen.

 

Marielouise Groke (li.) trainiert mit Autismuspädagogien Kim Basten den Besuch im Lebenshilfe-Café Lesbar am Lebenshilfe Center in Oberbruch.


„Wir müssen uns am Anfang viel Zeit nehmen, um die Situation in der Familie, in der Schule, aber vor allem auch, um die Gedanken- und Gefühlswelt des Klienten zu verstehen“, so Yvonne Tholen. Sie und ihre Kollegen verstehen sich als Lebensbegleiter und Übersetzer zwischen Mensch und Umwelt. Oft spricht man viel über Erlebnisse und Situationen der Kinder und versucht mit ihnen gemeinsam, das Verhalten der „Normalen“ zu ergründen.
„Im Interaktions-Training erlernen die Klienten Spiel- und Verhaltensregeln unserer Gesellschaft. Wann begrüßt man mit Händedruck oder nur mit einem freundlichen Hallo? Wie formuliere  ich meine Bedürfnisse und Gefühle?“ Sind Klienten im Teenager-Alter, ist die Entwicklung der eigenen Identität wichtig, es stellen sich Fragen über die persönliche  Zukunft, die Berufswahl, der Auszug von zu Hause. Da sei es wichtig, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, die in einer ähnlichen Lage sind. Deshalb organisiert KompASS neben der Einzelförderung auch Gruppenangebote , in denen sich die Teilnehmer über ihr Leben mit Autismus austauschen und gemeinsame Interessen finden. Sprichwörter sind ein typisches Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann, die Welt hinter den Worten und Werten unserer Gesellschaft zu verstehen: Wie kann etwas zum Mäusemelken sein und wer ist Herr Gesangsverein? „Dieses Thema hat eine Gruppe jetzt aufgegriffen. Wir sind den Alltags-Weisheiten spielerisch auf den Grund gegangen. Entstanden ist ein Gesellschaftsspiel der Sprichwörter, dass bei uns im KompASS ein echter Spiele-Renner geworden ist“, so Yvonne Tholen.  Wenn man aktiv, spielerisch und mit gesundem Humor den Problemen des Alltags begegnet, können sich völlig neue Situationen entwickeln. Und wer weiß, vielleicht wird das kleine Spielbrett der Sprichwörter eines Tages einmal in Serie produziert.

KompASS-Leiterin Yvonne Tholen (Bildmitte) stellt ihren Kollegen die Sprichwörter-Rallye vor, die sie gemeinsam mit Klienten in der Gruppentherapie entwickelt hat.

 

KompASS sucht pädagogische Fachkräfte und hat zurzeit Stellen ausgeschrieben. Die Autismusspezifischen Zusatzqualifikationen erhalten die Fachkräfte durch Weiterbildungen und Inhouse-Schulungen. Mehr Infos unter Stellenangebote.

Warum werden Kinder oder Jugendliche verhaltensauffällig? Warum ist es so wichtig ist, sein eigenes Verhalten positiv und lösungsorientiert gegenüber dem Kind auszurichten? Wie schafft man größtmögliche Zufriedenheit für Kind und Bezugsperson? Dies sind nur einige der Fragen beim Fachseminar „Verhaltenstherapeutischen Training für Erzieher, Therapeuten und Lehrer“, das vom Familienzentrum Triangel in Geilenkirchen angeboten wird. „Beim verhaltenstherapeutischen Training werden vielfältige theoretische Grundlagen von Verhaltenstherapie vermittelt und intensive Übungseinheiten zu Interventionsmöglichkeiten im Kindergarten- oder Schulalltag durchgeführt“, erklärt Mike Schmidt, Erzieher in der Kindertagesstätte Triangel Geilenkirchen sowie Verhaltenstrainer und Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für verhaltenstherapeutisches Training e.V. „Alle Teilnehmer haben hervorragend mitgearbeitet und die Fortbildung erfolgreich abgeschlossen.“ Nach 4 Tagen intensivem Austausch, Vortrag und Analysen sowie bestandener Prüfung dankten Mike Schmidt und Triangel-Leiterin Birgit Roye den Kursteilnehmern für deren rege Mitarbeit und überreichten ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme. Der nächste Kurs findet in zwei Blöcken im Lebenshilfe-Center in Oberbruch statt: Der erste Block am 25. und 26.9.2017, der zweite Block am 19. und 20.10.2017 Neben dem Fachseminar steht Mike Schmidt gerne auch für Vorträge z.B. an Teamtagen zur Verfügung. Außerdem bietet die Kita Triangel anderen Einrichtungen fachliche Begleitung bei der Inklusionsentwicklung an. Anmeldung unter: Familienzentrum Triangel Geilenkirchen, Robert-Koch-Strasse 21, 52511 Geilenkirchen, Tel: 02451 952680 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

„Wir wollen für euch bis zum Nordkap fahren!“ sagen Doris (im Auto auf der Rücksitzbank) und Reinhard (2.v.re.) Kortmann – und das Staunen bei den Kindern und ihren Erziehern in der neuen und noch „provisorischen“ Lebenshilfe-Kindertagesstätte in Ratheim war groß. Es wurde noch größer, als das Ehepaar aus Wassenberg über die Idee hinter dem Spendenprojekt berichtete, warum sie als „Kortini Rally Team“ bis ans Ende der Welt fahren möchten. „Wir wollen den Neubau der Kindertagesstätte der Lebenshilfe unterstützen, weil hier Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterstützt werden“, sagt Doris Kortmann . In Hückelhoven-Ratheim entsteht am Diebsweg eine neue Kindertagesstätte der Lebenshilfe Heinsberg. Eine moderne Einrichtung nach neuen inklusiven Standards, in der jedes Kind individuell gefördert wird. „Die Entwicklungsverzögerung oder Behinderung steht dabei nicht im Vordergrund“, sagt Michèle de Greef (re.), die den Aufbau der Kita in Ratheim koordiniert. „Kinder lernen in den Kindertagesstätten der Lebenshilfe Heinsberg mit - und voneinander und entwickeln in der gemeinsamen Förderung soziale Kompetenzen für ihre Zukunft: Verständnis und Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft mitgestalten und füreinander da sein.“ Im Garten der neuen Kita planen die Erzieherinnen und Erzieher mit Unterstützung des Kortini Rally Teams ein Highlight für die Kinder: Eine Rennbahn mit barrierefreien Fahrzeugen, die  von allen Kindern gefahren werden können. Spezielle "Beisitzer"-Vorrichtungen können Kinder mit einer schweren Behinderung nutzen. „So sind alle Kids auf der Piste und spielen gemeinsam!“ sagt Reinhard Kortmann. Das reisebegeisterte Ehepaar wird 2017 mit Ihrem Audi A6 BJ 1995 an der Rallye "Baltic Sea Circle" teilnehmen und während ihrer zweiwöchigen, 7500 Kilometer langen Rallye von Hamburg bis zum Nordcap fahren und dabei Spenden sammeln. Einmal im Jahr startet die Baltic Rallye durch Europa für private Auto- und Motorrad-Enthusiasten. „Teil der Challenge ist das Spendensammeln. Jedes Team fährt auch für den guten Zweck“, sagt Doris Kortmann. „ Und wir wollen uns im nächsten Jahr für ein Projekt in unserer Region engagieren.“ Da passt die barrierefreie Rennbahn für die neue Kita perfekt: „Es wird Zeit, dass die Kinder in ihre neuen Räume ziehen können, das unterstützen wir gerne. Bewegung im Freien und Autos sind für Jungs und Mädchen ein Thema – wenn auch Kinder mit Behinderung demnächst die geplante Rennbahn nutzen können, ist das doch spitze!“ betont das Ehepaar bei ihrem Besuch in der Kita, die aufgrund der Bauverzögerung noch in Schulräumen der Gemeinschaftsgrundschule im Weidengrund untergebracht sind. Die Kinder hatten einen Riesenspaß, im „Rally“-Auto der „Kortinis“ Probe zu sitzen. „Wir sind begeistert, dass sich auch Bürger aus der Region für unsere Arbeit engagieren wollen und auf diese originelle Weise unser Spendenprojekt bis zum Nordkap tragen!“ sagt Michèle de Greef. Die Rallye startet am 17. Juni 2017 in Hamburg. Wir werden über das Team Kortini berichten. Spenden zum Projekt werden gesammelt über betterplace.org