Bum Bum Bum … - schon von weitem hört man laute Klopf- und Trommelgeräusche. Auf dem Außengelände der Kita Triangel in Geilenkirchen ist auf bunten Teppichen ein „Trommel-Lager“ entstanden. Bei strahlendem Sonnenschein liegt ein Hauch von Afrika über dem Gelände: An großen und kleinen Trommeln sowie an diversen anderen Perkussionsinstrumenten sitzen die Teilnehmer eines Trommelworkshops, den die Kita für Eltern und Kinder anbietet. Kursleiterin Fatima Deckers führt die großen und kleinen Trommler in die Geheimnisse afrikanischer Rhythmen ein, gibt den Takt vor, motiviert oder erzählt spannende Geschichten über Länder und Leute in Afrika. Die Teilnehmer sind begeistert bei der Sache, hören konzentriert zu oder trommeln, was das Zeug hält. Als der Workshop nach 90 Minuten zu Ende geht, würden viele gerne noch weitermachen, und Kita-Leiterin Birgit Roye versichert: „Danke Fatima Deckers für diesen tollen Nachmittag. Das war sicherlich nicht das letzte Mal, dass wir Sie hier begrüßt haben!“

Für die Kinder, die nicht zur Erholungsmaßnahme nach Holland mitgefahren waren, hatte das Team der Kita Triangel in Oberbruch etwas ganz Besonderes vorbereitet: Zehn Tage lang begaben sich die Kids auf abenteuerliche Reise in den Dschungel. So wurde jeder Tag lautstark mit dem „Dschungel-Hit“ eröffnet, bevor die einen wie die kleinen Äffchen im Seilgarten herumkletterten, die anderen sich als Raubkatze schminken ließen oder auf Dschungelsafari begaben und dabei viel über die Tiere im Dschungel erfuhren. Am letzten Tag führten die Kinder vor, was sie gebastelt und gelernt hatten. Es wurde gespielt, getanzt und musiziert. Zahlreiche Eltern waren erschienen und spendeten begeistert Beifall.

 

 

Viele Kinder der Triangel-Kita in Geilenkirchen waren in die Erholungsmaßnahme nach Holland gefahren. Aber nicht alle Kindergarten-Kinder konnten oder wollten mitfahren. Im Außenbereich der Kita streunen die einen herum, andere bemalen eine große Leinwand, und wieder andere lassen sich von einer Erzieherin fantasievoll schminken. Für diese „Hierbleiber“, wie Logopädin Hester Moonen sie nennt, hat sie sich was ganz besonderes ausgedacht: Eineinhalb Wochen lang verwandelt sich die Kita zum Eric Carle-Land. Die Bücher des berühmten Kinderbuchautors Eric Carle, dessen „Die kleine Raupe Nimmersatt“ wahrscheinlich fast jedes Kind kennt (und auch die meisten Erwachsenen), stehen nun im Mittelpunkt. „Ich mag die Bücher von Eric Carle sehr. Für mich ist er einer der besten Kinderbuchautoren überhaupt. Aber die meisten Menschen kennen nur die „Raupe Nimmersatt“. dabei hat er über 50 Bücher geschrieben und gestaltet“, so Hester Moonen. Da war es kein Problem, zu den verschiedenen Bildungsbereichen der Kita wie Kommunikation und Sprachentwicklung, Motorik, Kunst und Kreativität, Denken oder Lernen, Spiele und Aktionen zu entwickeln, die auf Motiven Carles beruhen. So zum Beispiel beim Bildungsbereich „Wahrnehmung“ steht das Buch „Die kleine Spinne spinnt und schweigt“ im Zentrum der Aktivitäten. Bei diesem Tastbilderbuch ist unter anderem das Spinnennetz fühlbar und sinnlich erfahrbar. „Die Kinder können sich mit dem Buch beschäftigen, etwas zum Thema basteln oder malen, wenn sie dazu Lust haben. Die Zeit der Erholungsmaßnahme wird nicht wie sonst von therapeutischen Maßnahmen bestimmt, sondern soll auch für die „Hierbleiber“ eine lockere, ganz entspannte Zeit sein, in der sie selbst entscheiden, woran sie teilnehmen. Die kreativen Ergebnisse der „Eric Carle-Tage“ werden in einer kleinen Ausstellung in der Kita präsentiert.

 

 

 

„Wir wollen für euch bis zum Nordkap fahren!“ sagen Doris und Reinhard Kortmann – und das Staunen bei den Kindern und ihren Erziehern in der Lebenshilfe-Kindertagesstätte in Ratheim ist groß. Es wird noch größer, als das Ehepaar aus Wassenberg über die Idee eines Spendenprojektes berichtet, warum sie als „Kortini Rally Team“ bis ans Ende der Welt fahren werden. „Wir wollen den Neubau der Kindertagesstätte der Lebenshilfe in Ratheim unterstützen, weil hier Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam gefördert werden“, sagt Doris Kortmann. In Hückelhoven-Ratheim entsteht am Diebsweg die neue Kindertagesstätte der Lebenshilfe Heinsberg. Eine moderne Einrichtung nach inklusiven Standards, in der jedes Kind individuell gefördert wird. „Die Entwicklungsverzögerung oder Behinderung steht dabei nicht im Vordergrund“, sagt Michèle de Greef, die den Aufbau der Kita in Ratheim koordiniert. „Kinder lernen in den Kindertagesstätten der Lebenshilfe Heinsberg mit - und voneinander und entwickeln in der gemeinsamen Förderung soziale Kompetenzen für ihre Zukunft: Verständnis und Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft mitgestalten und füreinander da sein.“ Im Garten der neuen Kita planen die Erzieherinnen und Erzieher mit Unterstützung des Kortini Rally Teams ein Highlight für die Kinder: Eine Rennbahn mit barrierefreien Fahrzeugen, die von allen Kindern gefahren werden können. Spezielle "Beisitzer"-Vorrichtungen können Kinder mit einer schweren Behinderung nutzen. „So sind alle Kids auf der Piste und fahren und spielen gemeinsam!“ sagt Reinhard Kortmann. Das reisebegeisterte Ehepaar startet am 17.Juni mit Ihrem Audi A6 BJ 1995 bei der Rallye "Baltic Sea Circle". 7500 Kilometer ist die Strecke lang von Hamburg bis zum Nordcap. Einmal im Jahr startet die Baltic Rallye durch Europa für private Auto- und Motorrad-Enthusiasten. „Teil der Challenge ist das Spendensammeln. Jedes Team fährt auch für den guten Zweck“, sagt Doris Kortmann. Da passt die barrierefreie Rennbahn für die neue Kita perfekt: „Es wird Zeit, dass die Kinder in ihre neuen Räume ziehen können, das unterstützen wir gerne. Bewegung im Freien und Autos sind für Jungs und Mädchen ein Thema – und wenn auch Kinder mit Behinderung demnächst die geplante Rennbahn nutzen können, ist das doch Spitze!“ Bereits vor Rennbeginn haben die Hobby-Rennfahrer 500 Euro im Internet-Spendenportal Betterplace gesammelt. In der Kita, die aufgrund der Bauverzögerung noch in Schulräumen der Gemeinschaftsgrundschule im Weidengrund untergebracht sind, haben die Kinder viele Bilder gemalt, die jetzt schutzversiegelt auf dem Tourenwagen angebracht sind. Nach dem Probesitzen in und auf dem Rennwagen wünschten die kleinen dem Team eine gute Fahrt und freuen sich auf die sichere Rückkehr der Kortmanns. „Wir sind begeistert, dass sich auch Bürger aus der Region für unsere Arbeit engagieren und auf diese originelle Weise unser Spendenprojekt bis zum Nordkap tragen!“ sagt Michèle de Greef. Infobox: Die Route des Kortini Rally Teams kann auf Facebook verfolgt werden. Spenden zum Projekt werden gesammelt über www.betterplace.org - >Stichwort „Barrierefreie Rennbahn“. Alle Infos zur Baltic Rally: http://balticrally.superlative-adventure.com

Am 2. April ist Welt-Autismus-Tag: Laut aktuellen Studien sei einer von 1000 Menschen in Deutschland ein Autist. Dabei sei Autismus gar nicht so einfach zu umschreiben, erklärt Yvonne Tholen. Sie leitet das Kompetenzzentrum für Autismus-Spektrum-Störungen (KompASS) der Lebenshilfe Heinsberg.  „Durch die rasche Entwicklung in der Diagnostik und Förderung in den vergangenen Jahren sprechen wir heute von einem Autismus-Spektrum.“ Autismus sei keine Krankheit oder kognitive Behinderung, die man durch Blut- oder Intelligenztests feststellen könne.  Die am häufigsten gestellte Diagnose sei neben dem frühkindlichen Autismus das „Asperger-Syndrom“, mit der sich der Wiener Kinderarzt Hans Aperger Mitte des 20. Jahrhunderte erstmals beschäftigte. Dass es heute zu einer steigenden Asperger-Diagnose im Kindesalter komme, werde in der Fachwelt breit diskutiert, so Autismus-Pädagogin Stefanie Heinen-Gransch. Oft treten im Kinder- oder Jugendalter Verhaltensauffälligkeiten in den Vordergrund, die man schnell als Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitäts-Syndrom, kurz ADHS, abstempelt. Eltern und Angehörige fragen sich, ob etwas mit ihrem Kind nicht stimme, obwohl die körperlich-geistige Entwicklung doch ganz normal verlaufe. „Asperger ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Betroffene sehen normal aus, zeigen jedoch sonderbare Verhaltensweisen. Typisch sind Beeinträchtigungen des Interaktionsverhaltens, mangelndes Einfühlungsvermögen, starres Festhalten an Gewohnheiten, motorische Auffälligkeiten sowie ausgeprägte Spezialinteressen.“  Meist sind Kinder zwischen acht und dreizehn Jahre alt, wenn die Diagnose „Asperger“ etwa durch die Sozialpädiatrischen Zentren oder Kinder- und Jugendpsychiatrien festgestellt wird und die Eltern den ersten Kontakt zum KompASS der Lebenshilfe Heinsberg suchen.

 

Marielouise Groke (li.) trainiert mit Autismuspädagogien Kim Basten den Besuch im Lebenshilfe-Café Lesbar am Lebenshilfe Center in Oberbruch.


„Wir müssen uns am Anfang viel Zeit nehmen, um die Situation in der Familie, in der Schule, aber vor allem auch, um die Gedanken- und Gefühlswelt des Klienten zu verstehen“, so Yvonne Tholen. Sie und ihre Kollegen verstehen sich als Lebensbegleiter und Übersetzer zwischen Mensch und Umwelt. Oft spricht man viel über Erlebnisse und Situationen der Kinder und versucht mit ihnen gemeinsam, das Verhalten der „Normalen“ zu ergründen.
„Im Interaktions-Training erlernen die Klienten Spiel- und Verhaltensregeln unserer Gesellschaft. Wann begrüßt man mit Händedruck oder nur mit einem freundlichen Hallo? Wie formuliere  ich meine Bedürfnisse und Gefühle?“ Sind Klienten im Teenager-Alter, ist die Entwicklung der eigenen Identität wichtig, es stellen sich Fragen über die persönliche  Zukunft, die Berufswahl, der Auszug von zu Hause. Da sei es wichtig, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, die in einer ähnlichen Lage sind. Deshalb organisiert KompASS neben der Einzelförderung auch Gruppenangebote , in denen sich die Teilnehmer über ihr Leben mit Autismus austauschen und gemeinsame Interessen finden. Sprichwörter sind ein typisches Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann, die Welt hinter den Worten und Werten unserer Gesellschaft zu verstehen: Wie kann etwas zum Mäusemelken sein und wer ist Herr Gesangsverein? „Dieses Thema hat eine Gruppe jetzt aufgegriffen. Wir sind den Alltags-Weisheiten spielerisch auf den Grund gegangen. Entstanden ist ein Gesellschaftsspiel der Sprichwörter, dass bei uns im KompASS ein echter Spiele-Renner geworden ist“, so Yvonne Tholen.  Wenn man aktiv, spielerisch und mit gesundem Humor den Problemen des Alltags begegnet, können sich völlig neue Situationen entwickeln. Und wer weiß, vielleicht wird das kleine Spielbrett der Sprichwörter eines Tages einmal in Serie produziert.

KompASS-Leiterin Yvonne Tholen (Bildmitte) stellt ihren Kollegen die Sprichwörter-Rallye vor, die sie gemeinsam mit Klienten in der Gruppentherapie entwickelt hat.

 

KompASS sucht pädagogische Fachkräfte und hat zurzeit Stellen ausgeschrieben. Die Autismusspezifischen Zusatzqualifikationen erhalten die Fachkräfte durch Weiterbildungen und Inhouse-Schulungen. Mehr Infos unter Stellenangebote.